Reifendruck beim Tesla Model Y

Angeregt von einer Diskussion im TFF-Forum (Tesla Freunde und Fahrer) zum Thema „Reduzieren des Reifendruck für mehr Abrollkomfort“ habe ich mich mal mit dem Thema Reifendruck an PKW’s beschäftigt, dabei sind, auch für ich, einige bisher mir nicht bekannte Details bekannt geworden. Hintergrund ist auch, das im Forum dort in der Diskussion ein MA eines Reifenservicebetriebes die richtigen Aussagen gemacht hat,  die Diskussion bezog sich aber eigentlich auf das Model 3.

Habt Ihr euch auch schon einmal gefragt, wie den die Fahrzeughersteller zu den Reifendruckangaben kommen?
Zum einem werden je nach Belastung unterschiedliche Reifendrücke angegeben, oder, wie im Falle Tesla generell ein einzuhaltender Reifendruck.

Festlegen tut dies der Fahrzeughersteller, meist für die Fahrzeugtype einheitlich oder z.B. getrennt nach Diesel/Benziner (Gewicht an der VA), evtl. auch in Bezug auf die Reifengrößen. Manchmal wird auch explizit auf die BA (Bedienungsanleitung) verwiesen und am Fahrzeug sind nur pauschale Angaben aufgeklebt.

Im folgenden will ich das Thema mal für die Fahrzeuge von Tesla, hier speziell das von mir gefahrene Tesla Model Y Long Range – Modell 2023, schildern. Als Datenquelle nehme ich, auch wenn die Originalbereifung von Hankook ist, den „Continental Reifenratgeber 2022“ als Datenbasis. Wenn je einer sagt, dies passt nicht, kann ich beruhigen, wir nutzen daraus die Tabellen des ETRTO-Handbuches (European Tyre and Rim Technical Organisation), da ist es dann ja egal ob die Continental abdruckt oder ein Anderer.

Natürlich kann sowohl der spezifische Reifenhersteller hier etwas andere Angaben machen, jedoch sollte es mit der Betrachtung nach dem ETRTO-Handbuch einigermassen genau und aussagekräftig sein. Natürlich die Anmerkung – keine Gewähr für meine Angaben – haltet euch an die Vorgaben des Fahrzeugherstellers. Änderungen am Reifenfülldruck liegen in Eurer Verantwortung.

Daten zum Fahrzeug

Achslasten lt. Zulassungsbescheinigung Teil 1 bzw. CoC (Certificate of Conformity) bei meinem Fahrzeug:

  • an der VA 1320kg (also 660kg/Rad)
  • an der HA 1500kg (also 750kg/Rad).

Continental Reifen-Ratgeber 2022 - Tabelle 2 -

Was sagen die Reifenhersteller

So, nun nehmen wir aus dem Continental Reifen-Ratgeber die Tabelle [2] auf Seite 119, denn wir haben „XL“-Reifen (Reinforced/Extra-Load).
Die maximal Belastbarkeit ergibt sich zu 900kg/Rad für den 19″ mit LI104 (bei 2.9bar) und 825kg/Rad für den 20″ mit LI101 (bei 2.9bar).

Das ist üppig mehr als benötigt, warum gibt dann Tesla einen Reifendruck von 2.9bar vor?

Richtig gefragt, nach Tabelle [2] bräuchten wir für den 19″ mit dem Lastindex 104 und die Radlasten nach ZuLaB-Teil 1 vorne nur 2.0bar und hinten dann 2.3bar, deutlich weniger als seitens Tesla vorgegeben. Analog ergeben sich für den 20″ dann 2.2bar an der VA und 2.6bar an der HA.

Damit sollten der Reifen deutlich weicher abrollen, der Fahrkomfort sollte höher sein.

Ist das richtig?

NEIN, denn die Tabelle gilt nur für Geschwindigkeiten bis 160km/h und einen Sturz von max. (den Sturz vergessen wir, die Tesla haben alle deutlich weniger).
Aber die Tesla-Dinger flitzen 😆 schneller, der Long Range wird z.B. bei 217km/h abgeregelt (so steht es zumindest in meinem CoC).
Hier werden vor allem dann die Reifenflanken durch die Walkarbeit (1.35-fache Raddrehzahl) stärker belastet / erwärmt – ein praktisch vor allem durch die Geschwindigkeit bestimmter Effekt (mehr Tempo –> mehr Radumdrehungen/Zeiteinheit -> mehr Erwärmung).

Weitere Angaben, die wir im Reifen-Ratgeber finden (nur als Hinweis):
– Seite 121, zweite Spalte, zweiter Absatz – Der Reifendruck darf 3.5bar nicht überschreiten (das mal nur für die, die gerne mit höherem Reifendruck herumfahren, was aber hinsichtlich Bremsverhalten durch die kleinere Radaufstandsfläche nicht sinnvoll ist).

Für uns interessant dann auf Seite 122 die Tabelle [4], Luftdruckerhöhung bei höheren Geschwindigkeiten nach ETRTO. Für die 217km/h gehen wir in die Reihe 220km/h und lesen dann ab, das für den Reifen mit Geschwindigkeitsindex „W“ 2.8bar notwendig sind.

Solltet Ihr zufälligerweise einen Reifen der Geschwindigkeitsindex „Y“ fahren (meist eher beim Nachkaufen von Reifen), dann währen nur 2.5bar notwendig (hier wären es dann aber bei den 20″ aus den obigen Werten – Tabelle [2] an der HA min. 2.6bar).

Fazit

Soweit so gut, Tesla gibt aktuell 2.9bar vor, nach ETRTO wären es min. 2.8bar (19″), das passt also zusammen.

So, nun kann jeder selbst entscheiden. Der von Tesla vorgegebene Fülldruck passt auf jeden Fall immer, auch für die Vollgas (äh … Vollstrom) – Fraktion.

Wer langsamer fährt kann natürlich auch nach unten abweichen (Tabelle 4), muss sich aber im klaren sein, das er den Reifen bei höheren Geschwindigkeiten schnell an die thermische Grenze, vor allem an den Reifenflanken, bringt.

 

 

 

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