Warum MPPT-Solarregler ?

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Wenn ich so manche einschlägigen Foreneinträge lese, wo manch einer versucht, die wenigen Euro Mehrkosten für einen MPPT-Solarregler gegenüber einem SR-/PWM-Solarregler schlecht zu reden,  dann frage ich mich schon manchmal, ob es zusammenpasst, ein Wohnmobil für 50-150k€ (oder mehr) zu kaufen und sich dann wegen ein paar Euro für was “G’scheites” so aufzuregen.

Vor allem auch die öfters zu lesende Aussage, “dann mache ich eher ein zusätzliches Modul auf’s Dach“, ist totaler Nonsens, da Ersten teurer und zum Zweiten hat man dann dennoch in vielen Situationen keinen guten Solarertrag.

Aber diesen Leuten muss ich zugute halten, sie wissen es nicht besser und können den Unterschied ja auch nicht “erleben”, geschweige verstehen.


Wollen wir doch mal die Aspekte, die für einen MPPT (Maximum Power Point Tracking) – Regler, auf deutsch einen Regler, der den maximalen Leistungspunkt (Maximum Power Point) der Solarmodule sucht und diesem dann folgt (tracked), wenn sich z.B. die Umgebungsparameter ändern – Temperatur, Beleuchtungsstärke, Teilabschattung, aber auch Lastverhalten -.

Zum besseren Verständnis erst noch etwas über die “Energiequelle” Solarmodul, dann gefolgt von den Funktionsbeschreibungen der Regler-Typen.

Solarmodul

Ein Solarmodul ist aus mehreren Solarzellen, die in Reihe geschaltet sind, aufgebaut. Eine Zelle stellt vereinfacht gesagt eine Foto-Transistor dar. Das Modul / die Zelle liefert nahezu linear zur Beleuchtungsstärke einen Strom, ist also ein Stromquelle. Aufgrund der Halbleiterbasis liefert jede Zelle maximal (bei null Strom) etwa 0.6V (Uoc), woher die Leerlaufspannung von etwa 22V bei 36-zelligen Modulen herrührt. Unter Last, also bei Stromabgabe, bricht diese Spannung etwas ein, der Punkt, an dem Strom und Spannung multipliziert ein Maximum erreicht, wird als MPP (Maximum Power Point) bezeichnet und mit der Angabe des Spannungswertes Umpp, bei 36-zelligen Modulen bei ca. 18V, beschrieben.

U-I_Kennlinie_Solarzelle

Typische Kennwerte einer Solarzelle, 36 Zellen dieser Größe ergeben ein 55Wp – Modul mit Umpp = 17.2V

Nun denn, wenn es so einfach wäre; erstens ist dieser Arbeitspunkt je nach Beleuchtungsstärke nicht wirklich konstant, zum zweiten (vor allem) stark von der Temperatur abhängig.

Dazu kommt aber auch, das die Strom, den die Zelle hierbei liefert, wenn auch sehr gering, der Temperatur unterworfen ist.

Die Temperatur, die sich an einer Zelle ergibt ist sehr stark von der solaren Strahlung und den mechanischen Verhältnissen abhängig, sie kann bei starker Sonneneinstrahlung durchaus Werte von 80-90oC erreichen.

Nehmen wir nun als Beispiel mal eines realen “12V”-Solarmodul, also ein Modul mit 36 Zellen, einer Umpp von 17.2V und einer Uoc von 21.6V. Die Leistung erst mal egal. Die Zelle, deren Werte im Diagramm oben abgebildet ist, würde z.B. ein 55Wp Modul ergeben.

Diese Werte sind angegeben bezogen auf die NOCT (Normal Operating Cell Temperature), die der Hersteller für das beispielhaft angeführte Modul bei 45oC angibt (die Bezugstemperatur – NOCT, geben die Hersteller aber auch unterschiedlich an –> Wieder so eine Sache mit den Äppeln und Birnen).

Die Spannungsänderung über die Temperatur beträgt gemäß Herstellerangabe -0.45%/K, die Stromänderung über die Temperatur +0,033%/K (das ist marginal, vergessen wir erstmal), die Leistungsänderung über die Temperatur mit -0.44%/K. Dies sind übrigens durchaus typ. Werte für ein kristallines Solar-Modul.

Nehmen wir nun mal an, das Modul erwärmt sich in praller Sonne auf 90oC, dann haben wir eine Übertemperatur von 45K am Modul bezogen auf die NOCT. Der Umpp – Spannungswert fällt dann um (45K * -0.0045/K * 17.2V) = -3.48V, die Umpp beträgt dann in diesem Arbeitspunkt nur noch (17.21V – 3.48V) = 13.71V, die Uoc beträgt dann 17.32V. Aufgrund der Leistungsminderung fällt die Leistung im MPP um etwa 20% auf rund 40W.

Im umgekehrten Fall, 0oC am Solarmodul, steigt unsere Umpp auf (17.21V + 3.48V) = 20.69V, die Uoc beträgt dann 25.97V. Die Leistung im MPP steigt auf rund 60W (ein eher theoretischer Wert, da wir in unseren Breiten bei solchen Temperaturen aufgrund Sonnenstand sowieso nicht mehr die Bezugseinstrahlung von 1000W/m2 erreichen, aber wichtig, bei Kälte steigt die relative Leistungsfähigkeit der Solarzelle).

Mit diesen drei Werten betrachten wir weiter unten die Leistungsfähigkeit der SR-/PWM-Regler, nun jedoch die Funktionsbeschreibung dieser beiden Reglerbauarten.

SR-Regler

Ein SR (Serien) – Regler ist die einfachste Art und Weise, er regelt nur die Batteriespannung, die Verhältnisse der Spannung am Solarmodul beachtet er nicht.

Im Volllastbetrieb (Batterie kann mehr Strom aufnehmen als das Solarmodul liefern kann) regelt er vollkommen auf, in folge wird das Solarmodul soweit kurzgeschlossen, das dessen Spannung der aktuellen Akkuspannung entspricht, also maximal 14.7V (AGM-Akku) oder auch weniger (je nach Ladezustand des Akku). Der nun fließende Strom ergibt sich aus der Modulkennlinie. Der Arbeitspunkt des Solarmoduls wird sich also links vom MPP befinden, der Ladestrom = Modulstrom liegt minimal über dem MPP – Stromwert, die Spannung des Solarmoduls jedoch unterhalb dem MPP – Wert.

Die Differenz zwischen aktueller Umpp (der sinnvoll optimalen Spannung) und aktueller Batteriespannung wird also nicht genutzt, der fließenden Strom ist aufgrund der etwas schrägen Kennlinie des Moduls zwar minimal höher, jedoch liegt die Leistung (das rechnerische Produkt aus Strom und Spannung) aufgrund der deutlich niedrigeren Spannung niedriger als er im MPP wäre.

Ein großer Nachteil dieser Reglertype ist jedoch, wenn der Akku nicht mehr den vollen möglichen Solarstrom aufnehmen kann, dann beginnt der SR-Regler analog zu regeln, lässt die Solarmodulspannung soweit ansteigen (fährt an der Modulkennlinie entlang nach rechts herunter), bis nur noch der Strom fließt, den der Akku gerade aufnehmen kann. Die Folge ist, das der SR-Regler nun den Spannungsunterschied zwischen aktueller Solarspannung (dem aktuellen Arbeitspunkt) und der Akkuspannung (die ist im Betrachtungsmoment als fester Wert zu sehen), multipliziert mit dem gerade aktuell fließendem Strom, als Verlustleistung in Form von Wärme an die Umgebung abgeben muss. Dies kann zu nicht unerheblichen Abwärmemengen führen!

Der Wirkungsgrad eine SR-Regler selbst, also das was er selbst an Energie verbraucht, liegt im allgemeinen bei 2-3%, ganz billige durchaus bei 5%.

PWM-Regler

Der PWM-Regler arbeiten ähnlich dem SR-Regler, vermeidet aber das Auftreten höherer Verlustleistungen (am Regler), in dem er die Solarmodule nur so lange an den Akku anschaltet, bis im Mittel (50% ein, 50% aus ergeben 50% Strom) der gerade mögliche Ladestrom fließt. Er schaltet variabel EIN/AUS, wobei er die EIN-Zeit und die AUS-Zeit variiert. Das “Takten” erfolgt mit einer Frequenz von mehreren tausend Schaltvorgängen pro Sekunde. Im Regler werden Kondensatoren zum “glätten” dieser pulsartigen Ströme verwendet.

Vorteil diese Reglers, seine Verlustleistung ist deutlich geringer, denn die Halbleiterschalter werden entweder voll EIN, oder völlig AUS geschaltet, die Verluste an ihnen sind dadurch minimiert, zuzüglich dynamischer Schaltverluste (dies ginge hier aber zu weit, dies näher zu erklären)

Der Eigenverbrauch liegt ähnlich dem eines MPPT-Reglers, also im Bereich 3-5%, wobei auch hier gilt, die etwas teurerem haben im allgemeinen einen geringeren Eigenverbrauch.

Der PWM-Regler vermeidet also die möglicherweise hohe Verlustleistung im Teillastbetrieb des SR-Reglers.


Beide Reglertypen (SR und PWM) kümmern sich also nicht um den bestmöglichen Arbeitspunkt am Solarmodul (Umpp), sondern arbeiten nur auf die aktuell gültige Akkuspannung als Arbeitspunkt, die sie auf den vorgegebenes Wert begrenzen/regeln.

Nehmen wir nun mal die Spannnungswerte, die ich oben beim Solarmodul angegeben / berechnet habe:

  • Betriebspunkt bei NOCT (45oC) am Solarmodul. Das Solarmodul könnte optimalerweise 17.21v liefern, der Regler knüppelt diese aber (gehen wir mal von nahezu vollem AGM-Akku aus) auf 14.7V zusammen. Es werden also mindestens 17.21V – 14.7V = 2.5V oder 14.6% der Spannung “nicht genutzt”. Wenn man das obige Diagramm betrachtet und die Arbeitspunkte genau einträgt und ausrechnet, ergeben sich die Werte U=14.7V, I=3.33A, das ergibt eine Leistung von 49.0W. Der MPP hat aber die Werte U=17.21V, I=3.167A, das ergäbe eine Leistung von 54.5W. Die Leistungsminderung in diesem Betriebsfall beträgt also ((49.0W/54.5W) -1)*100 = -10.1%. Wenn wir das mit einer Nassbatterie betrachten (also 14.4V), wäre natürlich die Leistungsminderung noch größer (-16%).
  • Betriebspunkt bei 0oC (45K unter NOCT). Wie oben, jedoch werden nun mindestens 20.69V – 14.7V = 5.99V oder fast 29% der möglichen Spannung nicht ungenutzt. Wenn man das obige Diagramm wiederum heranzieht und die Arbeitspunkte genauso einträgt und ausrechnet, ergeben sich die Werte U=14.7V, I=3.367A, ergibt eine Leistung von 49.5W. Der MPP hat die Werte U=20.69V, I=3.167A, die Leistung ergibt sich zu 65.5W. Die Leistungsminderung in diesem Betriebsfall beträgt also mindestens ((49.5W/65.5W) -1)*100  = -24.4% (-30% bezogen auf 14.4V).
  • Betriebspunkt bei 90oC (45K über NOCT). Wie oben, jedoch wird der optimale Spannungspunkt wieder nicht im MPP gefunden, es stellt sich der Wert U=13.7V. Die Spannung des Solarmoduls liegt bereits unter der Ladeschlußspannung des Akku, die Leistungsminderung in diesem Betriebsfall lässt sich nicht mehr bestimmen, da die Batterie einfach nicht mehr vollgeladen wird, es kann nur noch ein geringer bis gar kein Ladestrom mehr fließen, ein Solarertrag wäre nur noch dann gegeben, wenn ein Laststrom fließen würde.

Ergebnisbewertung:

In zwei der drei Fälle erreicht der SR- oder PWM-Regler nicht annähernd den MPP und nutzt somit die vom Solarmodul lieferbare Energie nicht voll aus, der dritte Fall ist eben jener, Sonne genug, aber die Batterien werden nicht mehr (richtig) voll.

Insbesondere der Betrieb bei niedrigen Temperatur, also im Winter, wo wir sowieso nicht mit Sonne verwöhnt sind, bleiben rund 24% der möglichen Erträge ungenutzt.

Die Eigenverbräuche der Regler blieben in diesen Rechenbeispielen unberücksichtigt, da am Ergebnis sich relativ nichts ändert, ebenso ändert die Strahlungsleistung nichts an den prinzipiellen Relationen.

Kurzum, der SR-/PWM-Regler macht es praktisch nie richtig, in Schulnoten ausgedrückt maximal ein AUSREICHEND.